BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG

Netzwerk zur Rekonstruktion von Prozessen der Vertrauensbildung in sozialen und professionellen Kontexten

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Melanie Fabel-Lamla

Bildungsnetze für exklusionsgefährdete Schüler. Interprofessionelle Zusammenarbeit von Lehrern und Sozialpädagogen zur Förderung von bildungsbenachteiligten Jugendlichen

In aktuellen bildungspolitischen und erziehungswissenschaftlichen Diskursen im Anschluss an die Ergebnisse der PISA-Studien spielen - neben Aspekten wie Steigerung der Unterrichtsqualität und Einführung von Bildungsstandards - zwei Forderungen eine wichtige Rolle: a) die verstärkte Kooperation von Schule und Jugendhilfe im Kontext des Ausbaus von Ganztagsschulen (vgl. Deinet 2002; Bolay 2004; Olk 2005), wobei in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Umgang mit benachteiligten und ‚problematischen' Kindern und Jugendlichen eine besondere Rolle spielt, und b) der Aufbau von (lokalen) Bildungs- und Unterstützungsnetzwerken (vgl. Deinet/ Icking 2005). Beim Aufbau von Kooperationsbeziehungen zwischen Lehrern und Sozialpädagogen (vgl. hierzu Olk/ Speck 2001; Szczyrba 2003) und von Netzwerken zwischen verschiedenen Einrichtungen und Akteuren, aber auch bei der interprofessionellen Zusammenarbeit wird den informellen Kontakten, den Interaktionsbeziehungen und damit auch der Vertrauensbildung eine wichtige Bedeutung zugeschrieben - zumindest wird Vertrauen immer wieder als eine der Kernvoraussetzungen und Gelingensbedingungen bemüht. Allerdings wird die Relevanz von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit bisher lediglich als Voraussetzung des Aufbaus und der Aufrechterhaltung von Kooperationen und Netzwerken postuliert, empirische Studien stehen aus. Im Projekt "Bildungsnetze für exklusionsgefährdete Schüler. Interprofessionelle Zusammenarbeit von Lehrern und Sozialpädagogen zur Förderung von bildungsbenachteiligten Jugendlichen" sollen die Prozesse der Vertrauensbildung in der interprofessionellen Arbeit von Lehrern und Sozialpädagogen in den Blick genommen werden.

Im Projekt soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen die Kooperation von Lehrern und Sozialpädagogen einen Beitrag zur Bearbeitung von Problemlagen (bildungs )benachteiligter Schüler leisten kann und welche innovativen Ansätze aus dieser multiprofessionellen Arbeit für die Vermittlung von zukunftsorientierten Lebensentwürfen und Teilhabechancen in der zunehmend riskanten (Arbeits )Gesellschaft entstehen können. Verschiedene bildungspolitische Maßnahmen in Hessen, die insbesondere auf die (sozial-)pädagogische Förderung sogenannter Risikoschüler in Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Sozialpädagogen zielen (SchuB-Klassen - "Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb"; Implementierung von Schulsozialarbeit; Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule u.a.), bilden die Basis, um Kooperationsformen in Schule und Unterricht, die gemeinsame fallbezogene Begleitung von Jugendlichen, die Entwicklung neuer Lehr-Lern-Kulturen und die Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Professionen empirisch zu untersuchen.

Hierfür werden in einer qualitativen Studie unterschiedliche, mehrperspektivische Erhebungs- methoden (teilnehmende Beobachtungen und Tonbandaufnahmen, thematisch strukturierte, offene Interviews mit Lehrern und Sozialpädagogen, Gruppendiskussionen mit Schülern) und Auswertungsverfahren (Dokumentenanalyse, Methoden der rekonstruktiven Sozialforschung, Grounded Theory) miteinander verknüpft, die einen Zugang zu den bildungspolitischen Intentionen und Rahmungen, den Deutungs- und Handlungsmustern der Akteure, den pädagogischen Interaktionen sowie den Lehr-Lern-Kulturen eröffnen. Theoretisch knüpft das Projekt an interaktionistische sowie professions- und gesellschaftstheoretische Ansätze an, empirisch will es einen Beitrag zur Erschließung von aktuellen und ‚zeitgemäßen' Bildungskonzepten zur Förderung (bildungs )benachteiligter Schüler und von schulischen Gelingensbedingungen im Rahmen von multiprofessionellen Kooperationen und Bildungsnetzwerken leisten. Ziel ist es, auf der Basis verschiedener Fallstudien Gelingens- und Misslingensbedingungen von sozialpädagogischen Ansätzen in der Schule und multiprofessionell getragenen Orientierungs-, Unterstützungs- und Förderangeboten zu rekonstruieren.


Bibliographie

Bolay, Eberhard (2004): (Praxis-)Forschung in der Kooperation von Jugendhilfe und Schule: Standort- und Bedarfsbestimmung. In: Hartnuß, B./ Maykus, St. (Hg.): Handbuch Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Ein Leitfaden für Praxisreflexionen, theoretische Verortungen und Forschungsfragen. Berlin, S. 1007-1035

Deinet, Ulrich (2002): Schule und Jugendarbeit - von der Kooperation zur freundlichen Übernahme? In: deutsche jugend, 50. Jg., H. 7/ 8, S. 327-335

Deinet, Ulrich/ Icking, Maria (2005): Schule in Kooperation - mit der Jugendhilfe und mit weiteren Partnern im Sozialraum. In: Appel, S. et. al. (Hg.): Jahrbuch Ganztagsschule 2006. Schulkooperationen. Schwalbach/ Ts., S. 9-20

Olk, Thomas (2005): Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hg.): Kooperationen zwischen Jugendhilfe und Schule (Materialien zum zwölften Kinder- und Jugendbericht, Band 4).

Olk, Thomas/ Speck, Karsten (2001): LehrerInnen und SchulsozialarbeiterInnen - Institutionelle und berufskulturelle Bedingungen einer ‚schwierigen' Zusammenarbeit. In: Becker, P./ Schirp, J. (Hg.): Jugendhilfe und Schule. Zwei Handlungsrationalitäten auf dem Weg zu einer? Münster, S. 46-85

Szczyrba, Birgit (2003): Rollenkonstellationen in der pädagogischen Beziehungsarbeit. Neue Ansätze zur professionellen Kooperation am Beispiel von Schule und Jugendhilfe. Bad Heilbrunn/ Obb.

 

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