BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG

Netzwerk zur Rekonstruktion von Prozessen der Vertrauensbildung in sozialen und professionellen Kontexten

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Susanne Korfmacher

Die Generierung von Vertrauen. Eine diskursanalytische Untersuchung der institutionellen Vermittlung von Vertrauenswürdigkeit am Beispiel der Profession Zahnmedizin

Am Beispiel der Zahnmedizin analysiert das hier vorgestellte Projekt die Vertrauensgenerierung durch die Institutionen einer Profession. Dabei geht es nicht um die auf der Mikroebene angesiedelte Interaktion zwischen Ärztin/ Arzt und Patientin/ Patient. Vielmehr interessieren die Institutionen der Profession selbst und hier insbesondere die Standesvertretungen. Beantwortet werden soll die Frage, welche Strategien und Maßnahmen durch die Institutionen ergriffen werden, um Vertrauen zu erhalten oder - im Falle eines tatsächlichen oder vermuteten Vertrauensverlusts - neues zu bilden? Anders formuliert: welche Vertrauenspolitik verfolgt die Profession Zahnmedizin vertreten durch ihre Berufsverbände? In diesem Zusammenhang wird auch der Adressat der Vertrauensgenerierung näher beleuchtet und der Frage nachgegangen, um wessen Vertrauen geworben werden soll. Hierbei kann eine Professionspolitik, die sich nach "Außen" richtet, von einer Professionspolitik nach "Innen" unterschieden werden. Maßnahmen und Strategien, die auf die Umwelt der Profession abzielen, verfolgen die Vertrauensbildung zum einen in Bezug auf Klienten/ Patienten und zum anderen hinsichtlich der relevanten staatlichen Instanzen. Unter der Perspektive einer Professionspolitik nach Innen soll zudem untersucht werden, wie Vertrauen der Professionsangehörigen in die Institutionen bzw. Organisationen der Interessenvertretung selbst gebildet bzw. erhalten wird.

Die dargestellten Fragestellungen des Projekts werden mithilfe der wissenssoziologischen Diskursanalyse untersucht (vgl. Keller 2001, 2004). Dies erscheint sinnvoll, da sich diese Methode zur Analyse der Äußerungen von Kollektiv-Akteuren anbietet. Die institutionelle Wirklichkeitskonstruktion wird durch die Untersuchung von (Sprach-)Praktiken und deren Regeln nachgezeichnet. Für die Untersuchung herangezogen werden Pressemitteilungen der Bundeszahnärztekammer der Jahre 1998 bis 2005. Mit dem Jahr 1998 als Ausgangspunkt wird der Beginn der Gesundheitsreform gewählt, welche auch für die Zahnmedizin einschneidende Veränderungen mit sich brachte.

Theoretisch bezieht sich das Projekt einerseits auf die bereits dargestellten Arbeiten von Giddens (1995, 1996) und Luhmann (1973, 2001), die Vertrauen unter Modernisierungsbedingungen als eine zunehmend wichtige und zugleich prekär werdende Ressource beschreiben. Für die Bestimmung des Professionsbegriff andererseits ist die interaktionistische Perspektive auf Professionen leitend, die diese als von der alltäglichen Laienwelt aber auch von anderen Expertensinnwelten relativ abgesetzter Orientierungs- und Handlungsbereich mit spezifischen Sinnressourcen versteht (vgl. Schütze 1992: 135).


Bibliographie

Giddens, Anthony (1995): Konsequenzen der Moderne. Frankfurt a. M.

Giddens, Anthony (1996): Risiko, Vertrauen, Reflexivität. In: Beck, U./ Giddens, A./ Lash, S. (Hg.): Reflexive Modernisierung. Frankfurt a. M., S. 316-337

Keller, Reiner (2001): Wissenssoziologische Diskursanalyse. In: Keller, R. et al. (Hg.): Handbuch sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band I: Theorien und Methoden. Opladen. S. 114-143

Keller, Reiner (2004): Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen. Wiesbaden

Luhmann, Niklas (1973): Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. Frankfurt a. M.

Luhmann, Niklas (2001): Vertrautheit, Zuversicht, Vertrauen. Probleme und Alternativen. In: Hartmann, Martin/ Offe, Claus. (Hg.): Vertrauen. Die Grundlage des sozialen Zusammenhalts. Frankfurt a. M., S. 143-160

Schütze, Fritz (1992): Sozialarbeit als ‚bescheidene' Profession. In: Dewe, B./ Ferchhoff, W./ Radtke, F.-O. (Hg.): Erziehen als Profession. Opladen, S. 132-170


 

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