BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG

Netzwerk zur Rekonstruktion von Prozessen der Vertrauensbildung in sozialen und professionellen Kontexten

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Maren Zeller

Vertrauen in (sozial-)pädagogische Profis. Prozesse der Vertrauensbildung im Kontext stationärer Erziehungshilfen

Das folgende Forschungsprojekt verortet sich im Rahmen des Netzwerkantrags innerhalb der Frage nach Prozessen der Vertrauensbildung in KlientInnen-Professionellen-Beziehungen und fokussiert dabei die Perspektive von Kindern und Jugendlichen als AdressatInnen stationärer Erziehungshilfen. Diese kann aus folgenden Gründen als besonders interessant gelten:

(a) Jugendliche, die eine stationäre Erziehungshilfe erhalten, haben zumeist im Kontext einer problematischen familiären Sozialisation die Erfahrung gemacht, dass sich familiäre Beziehungen und Netzwerke als nur begrenzt tragfähig erwiesen haben (vgl. Stanulla 2003). Hier stellt sich insbesondere die Frage, wie vor dem Hintergrund dieser prekären biographischen Erfahrungen und dem Vertrauensverlust zu signifikant Anderen in der familialen Lebenswelt Vertrauen zu Professionellen aufgebaut und genutzt werden kann, um zuvor erfahrene Vertrauenskrisen zu bewältigen.

(b) Als eine Grundannahme für Klientenvertrauen gilt, dass sich die Vertrauensbeziehung nicht auf die Person des Professionellen an und für sich bezieht, sondern sich der/ die Adressat/ in vielmehr auf "etwas Dahinterstehendes" verlässt. Die Grundlage für Klientenvertrauen würde sich demnach durch die Vertrauenswürdigkeit der hinter den Professionellen stehenden Institutionen speisen (vgl. di Luzio 2005). Aufgrund des doppelten Mandats von Hilfe und Kontrolle wird den Professionellen, die im Bereich der Erziehungshilfen tätig sind (v.a. von Jugendamt, Freien Träger der Wohlfahrtspflege), jedoch zunächst mit Misstrauen begegnet. Organisationen, deren Kultur, Image und Öffnung ins Gemeinwesen können in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle für eine vertrauensbasierte Hilfe spielen.

Im Vergleich zu anderen Feldern der sozialen Arbeit sind also im Bereich der stationären Erziehungshilfen erschwerende Faktoren für einen Vertrauensaufbau der AdressatInnen zu vermuten. Das Forschungsprojekt zielt somit auf die Frage, wie Vertrauen in, zu und auf Professionelle entsteht: Konkret soll untersucht werden, wie (a) generalisiertes Vertrauen (vgl. Wagenblass 2001) in die Jugendhilfe/ Erziehungshilfen als ‚Institution' (vermittelt über die Professionellen) entsteht und unter welchen Bedingungen im Rahmen professioneller Arbeitsbündnisse BetreuerInnen nicht nur als Professionelle, sondern als Personen Vertrauen geschenkt wird und sie somit als ‚Signifikant Andere' für AdressatInnen fungieren können. Dabei soll analog der Prozesshaftigkeit, welches Arbeitsbündnisse kennzeichnet (vgl. Horvath/ Greenberg 1994), auch analysiert werden, wie sich der Prozess der Vertrauensbildung im Hilfeverlauf verändert und wie die AdressatInnen mit Vertrauenskrisen umgehen. Um den Prozesscharakter adäquat erforschen zu können, bieten sich als Material autobiographisch- narrative Interviews mit jungen Erwachsenen, die als Kind/ Jugendlicher eine stationäre Erziehungshilfe erhalten haben, an. Hier kann zunächst auf bereits vorhandenes Material aus dem Dissertationsprojekt "Lern- und Bildungspro-zesse von Mädchen in belasteten Lebenslagen" zurückgegriffen werden. In einem zweiten Schritt sollen weitere Interviews v.a. mit jungen Männern geführt werden. Die Untersuchung orientiert sich an den Prinzipien der qualitativen Sozialforschung, die Auswertung des Datenmaterials erfolgt narrationsanalytisch.


Bibliographie

Di Luzio, Gaia (2005): Professionalismus - eine Frage des Vertrauens? In: Pfadenhauer, M. (Hg.): Professionelles Handeln. Wiesbaden, 69-86.

Horvath, Adam O./ Greenberg, Leslie S. (1994): The Working alliance: theory, research, and practice, New York u.a.

Peter, Friedhelm/ Koch, Josef (2004): Integrierte erzieherische Hilfen. Flexibilität, Integration und Sozialraumorientierung in der Jugendhilfe. München/Weinheim

Stanulla, Ina (2003): Die Bedeutung von Vertrauen in der Heimerziehung - eine Skizze. In: Gabriel, T./ Winkler, M. (Hg.): Heimerziehung. Kontexte und Perspektiven. München/ Basel, S. 95-106

Wagenblass, Sabine (2001): Vertrauen. In: Otto, H.-U./ Thiersch, H. (Hg.): Handbuch Sozialar-beit/ Sozialpädagogik. 2. vollständig aktualisierte Aufl., Neuwied/Kriftel, S. 1934-1942


 

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