BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG

Netzwerk zur Rekonstruktion von Prozessen der Vertrauensbildung in sozialen und professionellen Kontexten

gefördert durch die:

 

 

Thema

Aktuelles

Mitglieder

Kooperationen

Schwerpunkte

Projekte

Publikationen

Aktivitäten

Download

Kontakt

 

⋄ Sozialisation

⋄ Profession

 


 

Sylke Bartmann

Das Vertraute und das Fremde. Vertrauen als Voraussetzung für Differenzerfahrung und Fremdverstehen

Innerhalb der Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen interkultureller Verständigung ist die Frage nach den Ursachen für ein Misstrauen gegenüber Fremden von zentraler Bedeutung. Beispielsweise konstatieren Seifert/ Brinkmann ein "generalisiertes Misstrauen gegenüber Fremden als kulturell erlernte Haltung" (2000: 206), die im Weiteren zu einer Verhinderung von interkulturellen Lernprozessen führt. Dementsprechend gering wird inzwischen der Lernerfolg von interkulturellen Begegnungen angesehen, in denen ausschließlich auf ein ‚Kennen lernen' des Anderen fokussiert wird. Die Frage nach den Entstehungsprozessen von Misstrauen beinhaltet für die interkulturelle Pädagogik eine verstärkte Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Ethnozentrismus und Vorurteil, die in pädagogischen Konzepten, wie dem Antirassismustraining, ihren Niederschlag findet (vgl. beispielsweise Auernheimer 2003). Hingegen findet sich sowohl in Theorien interkultureller Bildung als auch in den didaktischen Konzepten kaum ein Bezug zu Vertrauensprozessen. Dementsprechend sollen in einer Studie, die sich am phänomenologischen Ansatz orientiert, die Kategorie ‚Vertrauen' systematisch mit den bereits vorhandenen Modellen interkulturellen Lernens in Beziehung gesetzt und der Stellenwert von Vertrauen für eine Theorie des Fremdverstehens herausgearbeitet werden. Vertrauen wird im forschenden Kontext als eine "habituelle Bereitschaft eines Akteurs" (Seifert/ Brinkmann 2000: 200) konzipiert und es wird der Frage nachgegangen, wie dieser Habitus - letztlich ein Habitus des Fremdverstehens - in der pädagogischen Praxis vermittelt werden kann.

Ergänzend zu den erwähnten Modellen interkulturellen Lernens basiert die Studie auf Kon-zeptionen, die in einem bereits stattgefundenen, achtwöchigen Onlinekurs zur interkulturellen Kommunikation eingesetzt wurden. Der im Blended-Learning-Format (asynchrone Kommunikation und Kollaboration in Foren) konzipierte Kurs beinhaltet u.a. interkulturelle Konfliktsituationen (‚critical incidents'), die von den Teilnehmenden zu bearbeiten waren (vgl. Zawacki-Richter/ Bartmann 2006). Da die gesamte Kursarbeit ausschließlich schriftlich stattfand, können anhand dieses Datenmaterials Bedingungen und Prozesse interkulturellen Lernens rekonstruiert werden. Methodisch werden Verfahren objektiver Hermeneutik zugrunde gelegt.

Innerhalb des Netzwerks fokussiert das Projekt auf Phänomene der Vertrauensbildung im Kontext von Fremdverstehen.

Bibliographie

Auernheimer, Georg 2003: Einführung in die interkulturelle Pädagogik. Darmstadt

Seifert, Matthias/ Brinkmann, Ulrich 2000: ‚Trau, schau, wem?' - Anmerkungen zum Misstrauen gegen-über Fremden. In: Wasmuth, Jennifer (Hg.): Zwischen Fremd- und Feindbilder. Interdisziplinäre Beiträge zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Münster/ Hamburg/ London

Zawacki-Richter, O./ Bartmann, Sylke (2006): ‚Das Lernen muss weitergehen…' - Interkulturelle Kompetenzentwicklung online. In: Schulz, M./ Breyer, H./ Neusius, A. (Hg.): Fernausbildung geht weiter …Neue Beiträge zur Weiterentwicklung technologiegestützter Bildung aus pädagogisch-didaktischer Perspektive. Grundlagen der Weiterbildung. Augsburg, S. 333-346

 

© 2009 - Forschungsnetzwerk "Bildungsvertrauen - Vertrauensbildung" - Impressum