BILDUNGSVERTRAUEN - VERTRAUENSBILDUNG

Netzwerk zur Rekonstruktion von Prozessen der Vertrauensbildung in sozialen und professionellen Kontexten

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Nicolle Pfaff

Doing Gender in den Peer-groups von Kindern

Nach dem sogenannten ‚Zwei-Welten-Ansatz' sind Peer-groups und Freundschaften von Kindern ab dem Grundschulalter in der Regel geschlechtshomogen organisiert und lösen sich erst in der Adoleszenz zugunsten geschlechtsheterogener Freundschaften und Netzwerke auf (vgl. z.B. Thorne/ Luria 1986; Zinnecker/ Strzoda 1996: 93f.). Dieses Konzept wird inzwischen um Studien ergänzt, die geschlechtsbezogene Grenzziehungen und Formen gegenseitiger Bezugnahme von Mädchen und Jungen dieser Altersgruppe aufeinander in den Blick nehmen (z.B. Thorne 1993; Breidenstein/ Kelle 1998). Doch trotz umfangreicher quantitativer und qualitativer empirischer Forschung zu diesem Gegenstand, insbesondere auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie (vgl. zusammenfassend Salisch/ Seiffge-Krenke 1996), die die vorwiegende Bezugnahme auf die eigene Geschlechtsgruppe in der Präadoleszenz als universelles Phänomen erscheinen lässt, wurden die Geschlechtskonstruktionen der Kinder bislang kaum im Kontext ihrer Lebenswelt betrachtet (vgl. Schmalzhaf-Larsen 2004: 17; Bilden 1999: 16). In einer kulturvergleichend angelegten Studie sollen kindliche Bezugnahmen auf das Geschlecht und diesbezügliche habituelle Orientierungen in ihrem jeweiligen Kontext, genauer gesagt, in kontrastierenden sozialen Milieus untersucht werden.

Diese nimmt vor dem Hintergrund praxeologischer Theoriekonzepte und vertrauenstheoretischer Ansätze eine Rekonstruktion des Doing Gender in kindlichen Peer-groups in unterschiedlichen Sozialmilieus in zwei kulturellen Kontexten vor. Auf der Basis der dokumentarischen Interpretation von Gruppendiskussionen mit insgesamt ca. 12-15 Freundesgruppen aus unterschiedlichen sozialen Milieus sollen vor Beginn der Adoleszenz die bis dahin entwickelten Vorstellungen und Praxen der sozialen Herstellung von Geschlecht untersucht werden. Erste Rekonstruktionen bei Mädchengruppen, zeigen, dass eine Theorie des Vertrauens, die zwischen der Vertrautheit der Geschlechterrollen in der eigenen Lebenswelt, persönlichem Vertrauen in die Beziehung zu Gleichaltrigen und Systemvertrauen als Verhältnis zur geltenden Ordnung der Zweigeschlechtlichkeit unterscheidet, einen geeigneten begrifflichen Rahmen für eine solche Analyse darstellt (z.B. Luhmann 2000).

Innerhalb des Netzwerks fokussiert das Projekt Phänomene der Vertrauensbildung in der Gleichaltrigenkultur und in die herrschende Kultur der Zweigeschlechtlichkeit mit ihren jeweiligen Geschlechtsrollen in der späten Kindheit.


Bibliographie

Bilden, Heide von (1999): Geschlechtsidentitäten - angstvolles oder lustvolles Ende der Eindeutigkeit? Vortrag an der FU Berlin Mai 1999. Hrsg. von der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauenstudien und Frauenforschung an der FU Berlin. Berlin.

Breidenstein, Georg/ Kelle, Helga (1998): Geschlechteralltag in der Schulklasse: ethnographische Studien zur Gleichaltrigenkultur. Weinheim

Luhmann, Niklas (1989): Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität. 3. durchgesehene Aufl. Stuttgart

Thorne, Barrie/ Luria, Zella (1996): Sexuality and Gender in Children's Daily World. In: Social Problems Jg. 33, H. 3, S. 176-189

Thorne, Barrie (1993): Gender Play. Girls and Boys in School. New Brunswick N.Y.

Schmalzhaf-Larsen, Christa (2004): Geschlechtersozialisation im Kontext. Eine Perspektive auf die mittlere Kindheit und die frühe Adoleszenz. Hamburg

Salisch, Maria von/ Seiffge-Krenke, Inge (1996): Freundschaften im Kindes- und Jugendalter: Konzepte, Netzwerke, Elterneinflüsse. In: Psychologie, Erziehung, Unterricht Jg. 43, H. 2 , S. 85-99

Zinnecker, Jürgen/Strzoda, Christiane (1996): Freundschaft und Clique. Das informelle Netzwerk der Gleichaltrigen. In: Zinnecker, Jürgen/Silbereisen, Rainer K. (1996) (Hg.): Kindheit in Deutschland. Aktueller Survey über Kinder und ihre Eltern. Weinheim und München, S. 81-97

 

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